Eine mehrjährige Prozessharmonisierung und Systemkonsolidierung bei der Bosch und Siemens Hausgeräte Gruppe (BSH) führte zu einer konsequenten weiterführenden Entscheidung. SAP HANA soll als Lokomotive den Zug der Geschäftsprozesse in die Zukunft ziehen. Der ist mittlerweile ins Rollen gekommen und passiert einen Meilenstein nach dem anderen. Vertretbare Risiken des eingeschlagenen Weges werden dabei durch aktives Risikomanagement beherrscht.

„Um unsere gute Position in Europa zu halten, braucht es auf allen Ebenen Unternehmertum, das auch mal etwas wagt.“ Für Dr. Jürgen Sturm, CIO der Bosch und Siemens Hausgeräte Gruppe (BSH) bedeutet das, dass für die Innovation im Unternehmen auch ganz bewusst vertretbare Risiken eingegangen werden müssen. Wer nur nach Innovation fragt – am besten noch mit 100-prozentiger Erfolgsgarantie –, aber nie bereit ist, dafür auch ein Risiko einzugehen, ist seiner Ansicht nach „vollkommen schief gewickelt“. „Wenn nach menschlichem Ermessen alle kalkulierbaren Risiken inklusive möglicher Notfallszenarien geprüft wurden, muss man die Innovations-Rakete auch starten“, so Dr. Sturm.

Die Reise nach HANA

Die Rakete trägt den Namen SAP HANA auf ihrem Rumpf und ist bei BSH bereits auf die IT-Umlaufbahn eingeschwenkt. Vor dem Take-off stand die generalstabsmäßige Entscheidung. Diese entsprang keiner Initialzündung, sondern ist eher das Ergebnis einer langen Reise, die der CIO mit seinem Team vor gut sechs Jahren gestartet hat. Ausgangspunkt war der Status quo. Und der lautet: fünf Produktdivisionen für Hausgeräte und den weltweiten Kundendienst für 14 Marken, Millionen von Konsumenten und tausende von Business-to-Business-Kunden. Dies umfasst 74 legale Einheiten in 46 Ländern, 40 Fabriken in 21 Ländern und ca. 60 Lagerhäuser weltweit. Alle damit verbundenen Prozesse wurden über eine bereits damals weitgehend konsolidierte Geschäftsprozess-Plattform auf Basis von SAP abgewickelt. Dazu gehört u.a. auch die Fähigkeit, Profitabilitätsanalysen durchzuführen, die je nach Bedarf z. B. pro Land oder pro Marke, pro Geschäftsfeld, pro Produkt, pro Kunde etc. erstellt werden können. Um darüber hinaus die Wettbewerbsfähigkeit der BSH kontinuierlich zu verbessern, müssen auch neue Geschäftsprozesse entwickelt werden.

Ermüdende Performance-Diskussion

Durch die Konzentration aller Geschäftsprozesse auf einer Plattform zeichneten sich

Dr.Jürgen Sturm
Dr.Jürgen Sturm

jedoch schnell auch technische Grenzen ab. Richtig war der Weg dennoch: „Wenn wir unsere ehemalige fragmentierte Architektur beibehalten hätten, wäre mit HANA nichts anzufangen gewesen. Das machte nur Sinn, weil wir vorher unternehmensweit Standorte und Prozesse harmonisiert und Plattformen konsolidiert haben. Erst das hat uns in die Lage versetzt, HANA nutzbringend einzusetzen“, fasst Dr. Sturm zusammen. Als weiteres, wichtiges Erlebnis, das die Entscheidung pro SAP HANA beeinflusste, nennt Dr. Sturm seine „Stockholm Business Experience“. In der Hochphase der Business-Planung, der Monats- und Quartalsberichterstattung weilte der CIO geschäftlich in der schwedischen Hauptstadt, als der Chief Executive Officer (CEO) der BSH einen zusätzlichen Ad-hoc-Report in Ergänzung zu den auf den Systemen laufenden Routineaufgaben anforderte. So weit, so unspektakulär. Wenn es nicht 49 Minuten gedauert hätte, die gewünschte Analyse mit dem SAP-System zu erstellen. Ein sofortiger kurzer, aber intensiver telefonischer Gedankenaustausch mit dem Kollegen war die Folge, der bei Dr. Sturm zu der Erkenntnis führte: „Ich war die Performance-Diskussionen leid, wollte eine schnellere Datenbank neuester Technologie“, was von seinem Team jedoch als nicht praktikabel abgetan wurde, da es noch keine entsprechende von SAP zertifizierte Lösung dafür gab. Als dann SAP das Thema HANA lanciert hat, war Dr. Sturm unter den Ersten, die damit arbeiten wollten. „Mir war klar, dass wir SAP HANA brauchen, als es noch gar nicht auf der SAP-Preisliste stand.“

BSH Fabrik in Giengen, Deutschland: Montage von Kühl- und Gefriergeräten

Sidecar-Lösung – umständlich und zu riskant

Testweise wurden dann 2011 die Daten der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (COPA) in einem SAP-Rechenzentrum auf die neue Plattform aufgespielt. Und plötzlich ließen sich hochkomplexe Berechnungen, die früher überhaupt nicht möglich waren, in wenigen Sekunden erstellen. Also z. B. für einen bestimmten Kunden herauszufiltern, welche Produkte von welchen Marken er im letzten Jahr gekauft hat, was er aktuell kauft und wie sich die Käufe in der Zukunft weiterentwickeln könnten usw. Der darauffolgende produktive Einsatz von SAP HANA als „Sidecar-Lösung“ in Ergänzung zum „IT-Mutterschiff“ erwies sich jedoch als umständlich und zudem riskant, Befürchtungen über einen möglichen Systemabsturz inklusive. Ein neuer Ansatz musste her: „Gemeinsam mit SAP sind wir zu dem Schluss gekommen, wir müssen auf den Kern des Systems und konkret da aufsetzen, wo wir den Business-Nutzen unmittelbar realisieren können.“ Gesagt, getan. Im Frühjahr 2013 fiel die Entscheidung, nun radikal alle SAP-Systeme der BSH auf die SAP-HANA-Technologie umzustellen, und es wurde gemeinsam mit SAP ein generalstabsmäßiger Plan erstellt. Die ersten Stufen der Rakete sind inzwischen gezündet. Auf der Reise zur kompletten BSH-Prozessplattform on HANA wurde im Juli 2014 SAP BW on HANA produktiv gesetzt, Anfang August folgte SAP CRM im Herbst 2014 folgen SCM/APO, SRM, Portal, EWM und erste Schritte für Smart Finance auf HANA. „Wir sind in 2014 in einem gemischten Modus von HANA Enterprise Cloud und On-Premise Operations gestartet. Weitere Bereiche werden sich anschließen, bis dann 2015/2016 SAP ERP on HANA angegangen werden soll. Das wird dann hinsichtlich der kritischen Geschäftsprozesse noch eine Spur schärfer“, ist Dr. Sturm überzeugt.

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