Zürich/Walldorf, 21.01.2021 – Wenngleich die Corona-Krise die wirtschaftliche Lage der Schweiz stark beeinflusst, so planen die Schweizer Unternehmen dennoch auch weiter in SAP-Software zu investieren. Das hat der Investitionsreport 2021* der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) ergeben. Gleichzeitig scheint S/4HANA nun endgültig am Schweizer Markt angekommen zu sein, denn die Zahl derer steigt, die in diesem Jahr oder in den nächsten drei Jahren umstellen wollen. So haben auch bereits viele der Befragten ihre Lizenzstrategie für den Umstieg gewählt.

Eines vorab: Auch im Jahr 2021 steigen die IT-Budgets in der Schweiz weiter an. Bei 28 Prozent (DACH: 39 Prozent) der Befragten des DSAG-Investitionsreports 2021 steigt das Budget – und bei der Hälfte davon (DACH: 31 Prozent) sogar zwischen zehn und 20 Prozent. „Das Budget steigt zwar 2021 bei weniger Unternehmen als im Vorjahr, dennoch ist es vor dem Hintergrund der Corona-Krise ein positives Zeichen, dass weiter in die IT investiert wird“, erläutert Jean-Claude Flury, DSAG-Fachvorstand Schweiz.

Unternehmen setzen weiter auf SAP

Ungebrochen ist auch der Wille der Schweizer in SAP zu investieren. Bei 36 Prozent (DACH: 43 Prozent) der Unternehmen steigen die SAP-Investitionen und bei 44 Prozent (DACH: 35 Prozent) bleiben sie gleich. Im vergangenen Jahr gaben 39 Prozent (DACH: 35 Prozent) der Befragten an, dass das Budget zwischen 10 und 20 Prozent steigt. Diesmal waren es trotz Krise 38 Prozent (DACH: 38 Prozent), die das sagten. Wie auch im vergangenen Jahr steigt das Budget insbesondere bei Dienstleistern und Handel.

S/4HANA weiter auf dem Vormarsch

Bezogen auf S/4HANA hat bereits der DSAG-Investitionsreport 2020 gezeigt, dass die Schweizer Unternehmen die ERP-Lösung inzwischen als  gesetzt ansehen. Das bestätigt sich in diesem Jahr erneut: 57 Prozent (DACH: 56 Prozent) der Befragten planen hohe und mittlere Investitionen in S/4HANA. In die Business Suite wollen 22 Prozent (DACH: 25 Prozent) investieren. Bei S/4HANA präferieren die Unternehmen On-Premise, doch immerhin 19 Prozent (DACH: 12 Prozent) wollen in S/4HANA Cloud investieren. „Die Bedenken der Unternehmen, firmenrelevante Daten in die Cloud zu geben, ist noch immer groß. In der Schweiz sind wir dem Ganzen gegenüber jedoch deutlich aufgeschlossener als im restlichen DACH-Raum“, so Jean-Claude Flury. Dennoch sei es weiterhin wichtig mit SAP im Dialog zu S/4HANA zu stehen, und dass S/4HANA konsequent weiterentwickelt wird. „Dieser Weg ist noch nicht zu Ende gegangen. Man muss sich die Funktionalitäten sehr genau anschauen, z. B. in Bezug auf die Abgrenzung von On-Premise und Cloud, die reibungslose Integration und dass die wichtigsten Funktionen End-to-End abgebildet sind. Da muss das Potenzial noch ausgeschöpft werden“, erläutert Jean-Claude Flury.

Corona-Auswirkungen auf S/4HANA-Umstiege kaum spürbar

Anders als im gesamten DACH-Raum scheinen sich die Schweizer Unternehmen durch die Corona-Krise nicht auf ihrem Weg zu S/4HANA bremsen zu lassen. So planen 11 Prozent der Befragten (DACH: 10 Prozent) den Umstieg noch in diesem Jahr und weitere 39 Prozent (DACH: 39 Prozent) wollen in den nächsten drei Jahren umsteigen. 17 Prozent (DACH: 13 Prozent) sind sich noch unschlüssig. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr.

Insgesamt bestätigt dieses Ergebnis das Bild der DSAG-Umfrage aus dem Sommer zur DSAGLIVE. Laut dieser gab weniger als ein Drittel der Befragten an, dass S/4HANA-Projekte bzw. -Roadmaps verschoben oder zurückgestellt werden. „Für die Schweizer Unternehmen ist S/4HANA als Basis für die digitale Transformation gesetzt. Die Unternehmen sind trotz zum Teil noch unklarer Roadmaps überzeugt, hier den richtigen Weg einzuschlagen“, ordnet Jean-Claude Flury ein. Dennoch weist der Schweiz-Vorstand darauf hin, dass DSAG und SAP auch weiterhin viel und gut informieren müssen rund um die komplexe S/4HANA-Welt.

Schweizer sehen klar in Sachen Lizenzen

Erstmals wurden die DSAG-Unternehmen in diesem Jahr nach ihrer Lizenzstrategie beim Umstieg auf S/4HANA befragt. 34 Prozent (DACH: 22 Prozent) gaben an, im bestehenden Lizenzmodell zu bleiben, also eine Product-Conversion durchzuführen. 10 Prozent (DACH: 12 Prozent) wollen zunächst im bestehenden Lizenzmodell bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt in das S/4HANA-Lizenzmodell wechseln, also eine Contract-Conversion durchführen. Ebenfalls 10 Prozent (DACH: 13 Prozent) wechseln direkt in das S/4HANA-Lizenzmodell. „Im Ländervergleich ist interessant, dass lediglich 28 Prozent der Schweizer noch keine Entscheidung getroffen haben und somit nicht wissen, was möglich ist. Im DACH-Raum sind das fast 40 Prozent“, ordnet Jean-Claude Flury ein und ergänzt: „Wer von der ‚alten‘ in die ‚neue‘ Welt wechselt, muss mit einer veränderten Produkt- und Lizenzmetrik zurechtkommen. Eine Lizenzkonvertierung ist unausweichlich und herausfordernd. Dessen scheinen sich die Schweizer Unternehmen bewusst zu sein und sich daher frühzeitig mit ihrer Lizenzstrategie auseinander zu setzen.“ Insgesamt wäre aus DSAG-Sicht bei der Lizenzierung mehr Flexibilität wünschenswert, um den Umstieg zu erleichtern.

SuccessFactors und SAP Analytics Cloud stärker gefragt

SAP hat in der Vergangenheit vielfach die angestrebte Cloud-first-Strategie betont. Große Investitionsbereitschaft in die SAP-Cloud-Lösungen herrscht bei den Schweizer Unternehmen allerdings bis dato nicht. Laut Investitionsreport planen die Unternehmen für die folgenden SAP-Cloud-Lösungen „hohe“ bzw. „mittlere“ Investitionen:

  • SAP Analytics Cloud: 28 Prozent (DACH: 14 Prozent)
  • SuccessFactors: 28 Prozent (DACH: 15 Prozent)
  • SAP Customer Experience (CX – ehemals C/4HANA): 11 Prozent (DACH: 8 Prozent)
  • SAP Integrated Business Planning: 6 Prozent (DACH: 8 Prozent)
  • Industry Cloud: 6 Prozent (DACH: 2 Prozent (nur mittlere Investitionen))

Mittlere Investitionen sehen jeweils drei Prozent der Schweizer Unternehmen für Ariba, Concur und Fieldglass vor. Keines der befragten Schweizer Unternehmen plant Investitionen in Qualtrics.

Jean-Claude Flury
Jean-Claude Flury, DSAG-Fachvorstand Schweiz

Insbesondere die SAP Analytics Cloud scheint bei den Schweizer Unternehmen auf Interesse zu stoßen. „Dieses Ergebnis ist nicht überraschend. Die SAP Analytics Cloud unterstützt Unternehmen bei ihren Digitalisierungsbemühungen und kann gleichzeitig dabei helfen, den Bedarf an Vorhersagen zu decken, die insbesondere in Krisenzeiten wichtiger denn je sind“, so Jean-Claude Flury.

Dass mehr als ein Fünftel „mittlere Investitionen“ in SuccessFactors plant wiederum, ist bemerkenswert. Ermöglicht doch SAP Kunden ab 2022 die Lösung für das Personalwesen SAP Human Capital Management (SAP HCM) auch integriert in S/4HANA zu betreiben. Damit bietet der Software-Hersteller eine Alternative für all diejenigen, die nicht direkt in die Cloud zu SuccessFactors wechseln wollen. „In der Schweiz scheinen vielen Unternehmen bereits von den Vorteilen der Cloud-Lösung überzeugt zu sein. Dennoch ist es uns als DSAG wichtig, dass alle Kunden profitieren können – und das in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Gegebenheiten rund um IT-Sicherheit und Datenschutz sowie den prozessualen Anforderungen“, ordnet Jean-Claude Flury ein. Derzeit sei dies für den Öffentlichen Dienst bei SuccessFactors noch nicht möglich, weshalb die DSAG und SAP hierzu in engem Austausch stehen.

Platz 1 für Microsoft Azure

Wie bereits im vergangenen Jahr zeigt sich, dass Microsoft Azure und die SAP Business Technology Platform bei den Schweizer Unternehmen die höchste Relevanz haben, was Applikations-Plattformen als Platform-as-a-Service-Lösungen (PaaS) anbelangt. 31 Prozent der Befragten (DACH: 27 Prozent) planen mittlere und hohe Investitionen für die Azure-Plattform. Für die SAP Business Technology Platform sehen 20 Prozent (DACH: 17 Prozent) mittlere und hohe Investitionen vor.

Fortschritt bei der digitalen Transformation

Neben einzelnen Produktbereichen erfasst die Umfrage auch den Status quo der Unternehmen bei der digitalen Transformation – unabhängig von und ohne direkten Bezug zu SAP. 39 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 39 Prozent) bewertet den Status ihres Unternehmens zur digitalen Transformation als „weit“. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 53 Prozent (DACH: 50 Prozent) hingegen bewerten ihren Status als „nicht sehr weit“. Das entspricht dem Vorjahr. „Hier muss man natürlich immer im Hinterkopf haben, dass die Definition von digitaler Transformation oft weit auseinander geht. Die Corona-Krise hat die Unternehmen gezwungen zu digitalisieren und zum Teil auch ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, was bei einigen Befragten scheinbar zu leichter Ernüchterung hinsichtlich des Digitalisierungs-Status ihres Unternehmens geführt hat“, ordnet Jean-Claude Flury ein.

Befragt nach der Relevanz von Investitionen in Bezug auf die Digitalisierung im SAP-Kontext 2021 hat sich das Bild im Vergleich zur Umfrage zur DSAGLIVE aus dem Sommer kaum verändert. Besonders relevant für mittlere und hohe Investitionen finden 64 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 72 Prozent) die Effizienzsteigerung bestehender Prozesse. Im Sommer waren es 75 Prozent, die angaben, dass hier Handlungsbedarf herrsche. 41 Prozent (DACH: 47 Prozent) der Befragten sehen es als wichtig an, Informationen transparent zu machen. Im Sommer sahen 32 Prozent (DACH: 28 Prozent) hier Handlungsbedarf. Mittlere und hohe Investitionen, um die Beziehungen von Kunden und Partnern zu flexibilisieren, erachten 20 Prozent (DACH: 26 Prozent) für relevant. Auch die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services wird für investitionsrelevant erachtet. 34 Prozent (DACH: 36 Prozent) sehen hier mittlere und hohe Investitionen vor. „Weiterhin dominiert der Wunsch, bestehende Prozesse zu optimieren. Dabei sollte jedoch nicht aus den Augen verloren werden, dass Unternehmen langfristig auch innovativ unterwegs sein müssen, um am Markt bestehen zu können“, sagt Jean-Claude Flury. Am stärksten wollen die Schweizer Unternehmen 2021 übrigens bei den Innovationsthemen in Big Data und Data-Intelligence investieren.

Fazit

Die Schweizer setzen auch 2021 voll auf SAP und der Trend zu S/4HANA setzt sich weiterhin durch. Doch die Corona-Krise scheint bei den Schweizer Unternehmen für etwas Ernüchterung hinsichtlich ihres Status-quo bei der digitalen Transformation gesorgt zu haben. „Die Corona-Krise zeigt, dass sich Unternehmen mit der ‚neuen Normalität‘ und mit dem Cloud-Einsatz auseinander setzen müssen“, sagt Jean-Claude Flury. Grundsätzlich sind viele Schweizer Unternehmen durchaus Cloud-affin. Aber SAP-Cloud-Lösungen werden in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit nicht immer nur positiv von den Kunden wahrgenommen. „Bei der Weiterentwicklung der Cloud-Lösungen ist teilweise nicht nachvollziehbar, wie wichtige Anforderungen der Kunden priorisiert und umgesetzt oder auch nicht umgesetzt werden“, erläutert Jean-Claude Flury. Hier muss SAP noch nachbessern, damit Cloud-first für die Schweizer Unternehmen vermehrt ein gangbarer Weg wird.

 

*Erhebungsgrundlage der Umfrage
Die DSAG hat von November 2020 bis Januar 2021 eine Online-Umfrage zu geplanten Investitionen für das Jahr 2021 ausschließlich bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Pro Unternehmen wurde nur eine Person befragt. 244 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Umfrage teil. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 2.500 Mitarbeitern. Aus der Schweiz nahmen 36 Unternehmen teil. Aus Gründen der Transparenz werden an einigen Stellen teilweise anders als in den Vorjahren „Keine Angabe“ und „Ich weiß nicht“ mit ausgewiesen.

 

Aufzeichnung der Pressekonferenz

Die Aufzeichnung zur DSAG-Investitionsreport-Pressekonferenz 2021 finden Sie hier.



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