Wenn das Unternehmen anklopft

Fachkräftemangel ist mittlerweile ein viel strapazierter Ausdruck, von alleine verschwinden wird dieses Problem allerdings nicht. Viele Unternehmen bemühen sich deshalb bereits um die Experten, die heute noch an der Universität sind. Das Problem dabei: Dual Studierende gibt es nicht wie Sand am Meer. Umso besser für ZEISS, dass sie Marissa Gläsle für sich gewinnen konnten – und noch besser, dass der dualen Master-Studentin die Kombination aus Theorie und Praxis sehr gut gefällt.

War-for-Talents

Fachkräftemangel ist mittlerweile ein viel strapazierter Ausdruck, von alleine verschwinden wird dieses Problem allerdings nicht. Viele Unternehmen bemühen sich deshalb bereits um die Experten, die heute noch an der Universität sind. Das Problem dabei: Dual Studierende gibt es nicht wie Sand am Meer. Umso besser für ZEISS, dass sie Marissa Gläsle für sich gewinnen konnten – und noch besser, dass der dualen Master-Studentin die Kombination aus Theorie und Praxis sehr gut gefällt.

Wenn zwei Unternehmen sich um dich streiten, freut sich der Dritte – oder in diesem Fall die Dritte: Marissa Gläsle ist 25 Jahre alt, Master-Studentin der Wirtschaftsinformatik und steht bereits mit beiden Beinen im Berufsleben. Wie die meisten ihrer Mitstudierenden hat sie sich viele Gedanken gemacht, wie der Start in den Job aussehen kann – und ist heute umso glücklicher, für sich die beste Wahl getroffen zu haben: „Die wichtigste Frage bezüglich meiner beruflichen Zukunft war schon immer, was das Richtige für mich und meine Interessen ist“, erzählt die gebürtige Stuttgarterin. „Und als ich dann die Anfrage von ZEISS bekam, hat sich für mich eine riesige Chance aufgetan, extrem viel Neues zu lernen, Theorie und Praxis von Anfang an eng zu verzahnen und tief in die SAP-Welt einzutauchen.“

Christoph Hack, Head of Standard Applications (R/3) bei der Carl Zeiss AG

Personalaufbau mit Perspektive

Die Begeisterung beruht auf Gegenseitigkeit, auch ihr Arbeitgeber mit Hauptsitz im schwäbischen Oberkochen freut sich über die Zusammenarbeit im Rahmen des Dualen Studiums. Ihr Betreuer und direkter Ansprechpartner ist Christoph Hack – und auch für ihn ist die Wirtschaftsinformatikstudentin und neue Kollegin ein Glücksgriff: „Wir waren und sind dringend auf der Suche nach gerne auch jungen Mitarbeitenden, die wir für unsere teils sehr speziellen IT-Aufgaben und SAP-Themen dringend brauchen und gezielt ausbilden“, erklärt der Head of Standard Applications (R/3) das Engagement des Technologiespezialisten für optische und optoelektronische Industrie beim Recruiting. Auch die langfristige Jobperspektive für die angehende SAP-Expertin sieht optimal aus, denn in ihrem Fall geht es um die Nachbesetzung einer konkreten Stelle im Jahr 2022.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe

Den immer höheren Bedarf an dual Studierenden und angehenden, gut ausgebildeten IT-Experten hat die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) schon lange erkannt und unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen im War-for-Talents mit dem Programm „DSAG-Talents“ (siehe Seite 43) im Rahmen der DSAG-Academy. Dafür kooperiert sie mit dem Steinbeis Center of Management and Technology (SCMT), welches für die theoretische Ausbildung der Studierenden zuständig ist und interessierte Studierende an DSAG-Mitgliedsunternehmen vermittelt.

„Für mich war Steinbeis die beste Entscheidung“, sagt Marissa Gläsle und liefert auch gleich die Begründung dafür: „Die Hochschule erfasst die Studierenden und ihre beruflichen Vorlieben und Schwerpunkte im sogenannten Talents-Pool, schlägt ihnen aufgrund der Profilbeschreibung geeignete Unternehmen vor und schickt die Bewerberprofile dann auf Wunsch der Studierenden an die passenden Unternehmen, so dass man z.B. nicht mehr für jedes einzelne Stellenprofil ein separates Anschreiben inklusive Motivationstext schreiben muss.“

Wie schnell dann letztlich alles ging, hat sie noch gut in Erinnerung: „Das erste Gespräch in Oberkochen war im Februar 2020, angefangen habe ich bereits im April – also zeitgleich mit Ausbruch der Pandemie“, so Marissa Gläsle. „Das hat die Einarbeitung etwas schwierig gemacht, da ich nur teilweise in Oberkochen vor Ort sein konnte und viel remote stattfand.“ Die meiste Zeit verbringt sie nun im Homeoffice oder in den OnlineKlassen ihres Master-Studiengangs, die insgesamt 20 Prozent der Studienzeit betragen und blockweise Montag bis Freitag und gelegentlich auch Samstag für jeweils acht Stunden auf dem Plan stehen

Marissa Gläsle, Master-Wirtschaftsinformatikstudentin

Online-Präsenz anstelle 1:1-Interaktion

Marissa Gläsle hat sich mit der vielen Online-Präsenz und Remote-Arbeit arrangiert: „Mein großes Ziel, alles auf einmal zu schaffen – also studieren, arbeiten und Geld verdienen – ist im Moment nach wie vor machbar, findet nun aber größtenteils digital statt“, erklärt sie. Fest in Unternehmen und Betrieb integriert ist die Master-Studentin trotz der speziellen Situation dennoch – und das ist auch gut so, denn die Anforderungen in Christoph Hacks Team sind hoch: „Wir machen zwar nach wie vor z.B. klassische ABAP-Programmierung, aber benötigen eben auch viele neue Skills für S/4HANA oder die User-Interface-Entwicklung, wo wir sicher noch interne Optimierungspotenziale haben.“ Ein zusätzlicher Grund für ZEISS, viele motivierte neue Kollegen anzuwerben und auch langfristig ans Unternehmen zu binden.

Mittendrin statt nur dabei

Aufenthalte an den Standorten im Ausland sind in dieser besonderen Zeit zwar vorerst gecancelt, „aber dann helfen wir den Kollegen weltweit eben auch online und remote“, erklärt Christoph Hack eine Herausforderung während Corona. Die erste große SAP-Praxisaufgabe lösen Betreuer und Studentin derzeit schon gemeinsam und unterstützen die Kollegen in Schweden, die ihr altes Enterprise-Resource-Planning-System auf SAP ERP 6.0 Enhancement Package 8 migrieren. „Wir müssen unsere Innovationen für installierte IT-Infrastrukturen wie geplant realisieren, damit wir noch einen zeitnahen Übergang zu S/4HANA schaffen“, erklärt der IT-Experte.

Carl Zeiss AG

ZEISS ist ein weltweit führendes Technologieunternehmen der optischen und optoelektronischen Industrie. In den vier Sparten Semiconductor Manufacturing Technology, Industrial Quality & Research, Medical Technology und Consumer Markets erwirtschaftete die ZEISS Gruppe zuletzt einen Jahresumsatz von über 6,3 Mrd. Euro (Stand: 30.9.2020) und investierte dreizehn Prozent ihres Umsatzes in Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Insgesamt sind 32.000 Mitarbeitende weltweit für die Unternehmensgruppe tätig.

Praxis machen, nicht üben

Dass dabei jede helfende Hand gebraucht wird, macht Marissa Gläsle umso wichtiger. „Es gibt inzwischen so viele verschiedene Jobprofile, die sich ständig verändern und hoch qualifiziertes Personal erfordern“, sagt Christoph Hack und ergänzt: „Da ist es für uns langfristig betrachtet effektiver und sicherer, diese jungen Experten früh ins Unternehmen einzubinden, weiter zu fördern und auszubilden und den Fokus dabei natürlich auf unsere Anforderungen zu legen.“ Ein cleverer Ansatz, von dem alle Seiten profitieren. Und der der Digitalisierung und Innovationskraft bei ZEISS noch einmal einen ganz besonderen Schub verleiht.

Bildnachweis: Steinbeiss Center of Management, Daniella Winkler + iStock

Sarah Meixner

Autorin: Sarah Meixner

blaupause-Redaktion